Camino de Levante II

 

Camino de Levante II – Don Quixote

San Clemente – La Mota del Cuervo – El Toboso –  Puebla de Almoradiel

Don Quixote und Sancho Panza auf dem Camino de Levante

Don Quixote und Sancho Panza auf dem Camino de Levante

11.-13.05.2014

Wir hatten zwei Tage in San Clemente verbracht, um diese Perle der spanischen Renaissance zu würdigen. Da wir auf diese Weise aber einen Tag verloren, wollten wir diesen wieder einholen, indem wir die übermäßig lange, vermutlich weniger interessante Etappe unseren Füßen ersparten und den Bus nach Pedroñeras nahmen. Dort hatten wir vor dem Weitermarsch noch auf der Post unseren  überflüssigen Rucksackinhalt nach Hause zu schicken. Danach versuchten wir in einer Bar nach Genuss einiger leckerer Tapas, unseren teuren Weggefährten Sancho Panza in freundliche Hände zu übergeben. Vergeblich: keiner wollte ihn geschenkt haben, weswegen wir ihn leider wenig ehrenvoll in einem Müllcontainer „beerdigen“ mussten.

Auf der Strecke nasch Mota del Cuervo lauschten wir mehreren zauberhaften Vogelkonzerten in den Akazien am Wegrand. Ansonsten war dieser Weg, der durch ausgedehnte Schotterhalden voll giftiger Rauchschwaden führte,  lange Zeit etwas öde. Erst gegen Ende, als sich am Horizont schon die berühmten antiken Windmühlen abzeichneten, entwickelte er etwas Charme. In der Casa Rural „La Mota“, die wir als Herberge ausersehen hatten, waren wir telefonisch nicht angemeldet. Das erwies sich sogar als ein Glück. Denn als wir am späten Nachmittag am Tor des Hauses läuteten, mussten wir hören, dass diese einzige Unterkunft am Platz längst für immer geschlossen worden sei. Es war nur unserem Charme zu verdanken, dass sich die betagte Hausherrin dennoch erweichen ließ, uns ein Quartier zu geben. Wir bekamen in diesem alten, höchst stilvollen Anwesen zwei entzückende Einzelzimmer mit superbreiten Betten. Die Übernachtung war ein Genuss. Am nächsten Morgen durften wir noch das ganze Haus besichtigen.

Als Don Quixote-Museo Cervatino Tobose

Ich bin auch Don Quixote

13.-14.05.14.

Der heutige Weg nach El Toboso verlief- charakteristisch für den Camino de Levante- durch einen sehr weiten flachen Talkessel voller Knoblauchfelder in stiller Atmosphäre. Das Dorf Toboso hat uns -optisch überraschend, aber ursprünglich typisch für die Gegend La Mancha- ungemein gut gefallen mit seinen strahlend blau-weiß gestrichenen Gebäuden. Wir mussten uns leider sehr beeilen, um die besonderen Sehenswürdigkeiten des Ortes vor deren Schließung nicht zu verpassen. Es blieb uns daher nichts anderes übrig, als die Kirche, das großartige Museo Cervantino und die Casa Dulcinea im Eilschritt abzuklappern. Besonders das Museum war beeindruckend. Denn dieses zeigte neben vielen historischen Ausgaben von „Don Quixote“ in zahlreichen Sprachen wunderschöne Stiche, Gemälde und Drucke zu diesem Thema.

Wir haben an diesem Tag in unserer Herberge, die selbstredend auch den Namen  „Don Quixote“trug, noch lange über die Deutung der Geschichte des Ritters von der traurigen Gestalt diskutiert, den man auch als Pilger betrachten kann. Cervantes scheint mit diesem Buch ein genialer Wurf gelungen sein, so dass es zu einer Art Bibel aller Buchliebhaber werden konnte. Die Gestalten des Don Quixote und seines stallmeisterlichen Knappen Sancho Panza, sind unsterbliche Archetypen  in ihrer literarischen Konkurrenz um die Krone des Narrentums: wer ist lächerlicher, wer ist verrückter?  Der hochgebildete Asket, der einem Idol vergangener Zeiten glühend nacheifert – oder der bequeme, speckbäuchige Analphabet, der ihm wider besseres Wissen bloß deswegen folgt, um reich und berühmt zu werden?  Der Verrücktere scheint zweifellos der irrende Ritter selbst zu sein. Doch sein geistig „normaler“, wenn auch unbedarfter Knappe imponiert als der größerere Trottel. Wie bei allen großen Werken der Weltliteratur gibt es freilich nicht nur eine gültige Interpretation. Zu Hause werde ich das Opus unbedingt noch einmal lesen. 

14./15.05.14.

Die heutige Strecke wurde zu einer Qual, weil wir uns dort in einem Labyrinth von Autobahnen und Landstraßen mehrfach verirrt haben. Sie sollte bis Villa de Don Fadrique ohnehin schon 27 km  betragen. Doch obwohl wir diesen Ort gar nicht erreichten, haben wir uns über 30 km lang auf Asphalt geschleppt, bis wir endlich nach Puebla del Almoradiel gelangten. Dort konnten wir in unseren Erschöpfung eine wunderschöne Rosenallee am Ortseingang kaum noch entsprechend genießen. Es muss sich um das längste Dorf der Welt gehandelt haben, denn wir hatten darin noch endlos lange nach unserer anvisierten Herberge „La Era“ zu suchen. Als wir diese am anderen Ende endlich fanden, erwies diese sich wieder einmal als geschlossen, wohl weil sich der Betrieb angesichts zu geringer Pilgerzahlen nicht lohnt. Zu unserem Glück erfuhren wir von einem neuen Hostal, dessen Betreiber uns sogar mit dem Auto in seine Casa Rural brachte. Trotz unserer Erschöpfung wollten wir uns die Darbietungen eines abendlichen Volksfestes zu Ehren von  San Isidoro nicht entgehen lassen. So machten wir uns nach kurzer Ruhepause in unseren Zimmern noch einmal auf ins Zentrum, wo wir tänzerische Darbietungen mit Fandango in prachtvollen Volkstrachten bewundern konnten. Das Hostal war zwar optisch sehr ansprechend eingerichtet. Da es uns am nächsten Morgen aber nicht gelang, mehrere vorhandene elektrische Geräte zur Kaffeebereitung für unser Frühstück erfolgreich zu nutzen, fanden wir diese Unterkunft ihren Preis doch nicht wert.

Casa Rural in Almoradiel

Casa Rural in Almoradiel

Im folgenden Abschnitt Camino de lLevante III wird die letzte Strecke von El Almoradiel über Villacañas, Tembleque, Mora bis Toledo beschrieben.   o


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